Raubritter's Immobilien-Markt

Okay, zugegeben: Es gebricht der Bezeichnung „Raubritter“ etwas an historischer Authentizität, und ich könnte mir daher gut vorstellen, dass die Erbauer dieser grundsoliden Immobilien mir seinerzeit den Fehdehandschuh ob dieser Benennung vor die Füße geworfen hätten, weil sie sicher nicht als räuberische Ritter gesehen haben. Schließlich haben sie mehrheitlich nix geraubt, sondern sich allenfalls darauf beschränkt, ihren Untertanen rechtskonform den Zehnten (Neunten, Achten…) abzupressen. Wie auch immer: Mir deucht, dass ich heutzutage eine Aufforderung zum Raufhandel mit Schwert und Lanze nicht mehr zu befürchten habe, denn diese finsteren Burschen dürften mehrheitlich bis zum Jüngsten Gericht in der Hölle schmoren, weshalb ich ohne Verzagen bei meiner Bezeichnung „Raubritter“ bleibe.

Mit der Serie über die schönsten deutschen Burgen erfüllte ich mir einen Kindheits- und Jugendtraum. In der grauen Vorzeit der Fünfziger als edler „Siegfried“ im Sandkasten hinter einem Wohnblock in Frankfurt-Bornheim erfolgreich mit Schwert und Hellebarde kämpfend, kämpfe ich heute stattdessen mit den Widrigkeiten der analogen Infrarot-Schwarzweißfotografie. Ich überlasse es der geneigten Einschätzung der Betrachter, ob es mir mit diesen Bildern im übertragenen Sinne gelungen ist, das Spitzentüchlein des Burgfräuleins zu erobern oder ob es sich um visuelle Untaten handelt, die denen der Raubritter von einst nicht nachstehen...



Technische Details:
Die Panoramaaufnahmen sind mit der Linhof Technorama 617 III S und die rechteckigen Bilder mit der Pentax 67 II entstanden. Als Film kam ausschließlich der Schwarzweiß-Infrarotfilm Ilford SFX 200 - entwickelt in ID-11 - zum Einsatz. Filter: Heliopan IR-Schwarzfilter 715, oftmals kombiniert mit dem B + W Graufilter ND 3.0. Nach dem Scannen der Negative habe ich mich bei der Bildbearbeitung im PS ausschließlich auf die Techniken beschränkt, die auch in der analogen Dunkelkammer möglich gewesen wären, also in erster Linie Nachbelichten und ggfs. auch Abwedeln.

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Wolfgang Mothes

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