Untertage im Ruhrgebiet

Jeder der schon mal Untertage in einem Kohlebergwerk war kennt das:
Fotografieren nicht erlaubt und wenn dann nur mit Sondergenehmigung mit
speziellen Kameras und auch nur in ganz wenigen ausgesuchten Bereichen. Ich
war schon ein paarmal "unten", aber meine fotografische Ausbeute ist schlicht
beschämend. Dabei ist die Welt Untertage faszinierend:

Es wird einem gleich zu Beginn schon ein bisschen mulmig, wenn man in einem
offenen Förderkorb zusammen mit etwa einem dutzend Bergleuten eng gedrängt
mit knapp 10 m/s 1.200 m in die Tiefe stürzt. Es ist dunkel und laut. Nur das
fahle Licht der Helmlampen beleuchtet den vorbeirasenden Fels. Nach einer
gefühlten Ewigkeit ist man dann schließlich unten. Und völlig überrascht. Man
steht in einem riesigen Raum, mehrere Stockwerke hoch, einer Kathedrale gleich.
Es ist hell erleuchtet. Viele Menschen wuseln irgendwie um einen rum wie auf
einem großen Bahnhof. Es ist laut. Unentwegt poltert von einem Laufband Kohle
in einen speziellen Förderkorb. Es ist feucht und sehr warm und trotzdem ist
man froh, dicke Klamotten mit Halstuch anzuhaben, denn es zieht höllisch.
Bewetterung nennt man das. Diese Winde tragen feinen Kohlestaub mit sich und
im Nu sieht man so aus wie man sich einen Bergmann vorstellt: schwarz. Bis vor
Ort ist es allerdings noch weit. Dort ist es dann meist noch lauter. Unterhaltung
nicht möglich. Riesige Maschinen hobeln oder schneiden die Kohle aus der Wand.
Es ist eng und die wenigen Menschen drängen sich um ein paar Leitstände, die
so ganz anders aussehen wie Übertage. Nun ja vielleicht nicht jedermanns Sache,
aber auf alle Fälle eine sehenswert Welt, die bald schon Geschichte ist.

Aber es gibt eine Alternative: Das Lehr- oder Ausbildungsbergwerk
Recklinghausen. Hier gibt es alles, was es in der realen Bergwerkswelt auch gibt.
Enge Tunnel und Schächte, es ist dunkel, es ist laut, es ist dreckig, es tropft von
der Decke, riesige Maschinen, Förderbänder, Versuchsstände, aber es gibt keine
Kohle. Ohne Kohle kein Grubengas. Ohne Grubengas keine Explosionsgefahr,
d.h. man darf so viel und so lange fotografieren wie man will.





Technische Details:
ISO-Zahlen von 800 bis 3.200 mit und ohne Stativ. Ich habe das vorhandene Licht benutzt oder mal mit einer Taschenlampe nachgeholfen. Der Weißabgleich war schwierig, da Mischlicht aus Natriumdampflampen, Glühbirnen und Leuchtstoffröhren. Kein Blitz. Fast ausschließlich HDR-Bilder. Kamera: Ricoh GXR (APS-C-Sensor) mit Leica-M-Optiken, 24,50 und 75 mm Brennweite.

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Bernd Uckermann

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